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28/01/2010
CD Tipp
Oswald Beaujean - Bayern 4 Klassik

Das polnische Wort "Zal", das der Veröffentlichung den Titel gab, ist nicht ganz leicht zu übersetzen: Es gibt durchaus unterschiedliche Bedeutungsvarianten. "Zal" umschreibt eine Gefühlsebene, auf der Kummer, Groll, sogar Hass, doch auch Reue, Trauer, Leid und Schmerz eine Rolle spielen. Und auch wenn der Text im Beiheft der CD nicht von Ewa Kupiec stammt, ist er doch sicher in ihrem Geist geschrieben.



Nach ihm spricht all das, was "Żal" zum Ausdruck bringt, aus jenen Chopin- und Schubert-Werken, die auf dieser Doppel-CD vereint sind: die drei Mazurken op.59, die Barcarolle op.60, die Polonaise-Fantaisie, die beiden Nocturnes op.62 und schließlich die Schubert-Sonate in G-dur D 894 aus dem Todesjahr 1828. Es sind also ausnahmslos späte Werke, wenn man diesen Begriff bei zwei Komponisten, die so jung starben, überhaupt verwenden möchte.

Auf unspektakuläre Weise exzellent


Ob sich auch das Klavierspiel von Ewa Kupiec mit dem Wort "Żal" charakterisieren lässt? Zunächst einmal ist es auf angenehm unspektakuläre Weise ganz einfach exzellent. Aus ihm spricht ein grundlegendes, tiefgehendes Verständnis der Musik Chopins wie Schuberts. Da fehlt alles Oberflächliche, nur Brillante, auf den Effekt Bedachte. Kupiec spielt ebenso seelen- wie substanzvoll, mit einem nie überzogenen Maß an Freiheit im Umgang mit dem Notentext. Ihre Phrasierung, die Dynamik, die Rubati, all das zeugt bei aller Ausdrucksstärke stets von unbestechlichem Geschmack. Dieser CD - einer der wichtigen Neuerscheinungen im Chopinjahr - hört man die lange, wahrscheinlich weit in die Kindheit zurückreichende Beschäftigung mit Chopin an.

Nachdenklich, skrupulös, brillant


Kupiec ist eine wunderbar nachdenkliche, skrupulöse Pianistin, bei der eine brillante Technik, die geistige Durchdringung der Musik und die Fähigkeit zu einer breiten Klangfarben-Palette ideal verschmelzen. Und sie ist bereit zum Risiko, wagt zum Teil sehr ruhige Tempi, was sie sich ohne Spannungsverluste leisten kann. Und sie trifft - da stimmt der Titel der CD letztlich doch - jene ganz eigentümliche, charakteristische Mischung aus Resignation und Trauer, Auflehnung und gelassener Hinnahme, die die Musik des späten Schubert wie des späten Chopin so unvergleichlich prägt und vermittelt.

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