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08/06/2010
Strenge und Herzlichkeit, Bad Iburg
Martina Binnig - Neue OZ online
Entschieden in ihrer Gestaltung und doch von samtweicher Emotionalität – so präsentierte sich Ewa Kupiec beim Iburger Schlosskonzert.
Der erste Applaus für eine Darbietung gilt dem Veranstalter der Iburger Schlosskonzerte, denn Harry Jahns begrüßt das Publikum im ausverkauften Rittersaal in fließendem Polnisch. Davon zeigen sich die polnischen Musiker des Sonderkonzerts zum 200. Geburtstag von Frédéric Chopin – Pianistin Ewa Kupiec und das Plawner Quartet – so angenehm überrascht, dass sie spontan erzählen, wer außer Jahns noch in Lodz geboren wurde: nämlich etwa Artur Rubinstein.
Dabei versprüht Ewa Kupiec einen herzlichen Charme, den man der Dame mit dem strengen Haardutt zunächst gar nicht zugetraut hätte. Und genau diese Spannung zwischen Strenge und Herzlichkeit macht auch die Faszination ihres Klavierspiels aus: Kupiec, die 1992 den renommierten ARD- Musikwettbewerb gewann, spielt einerseits mit äußerster Klarheit, mit dezidierter Pedalarbeit, bei der kein einziger Ton verschwimmt; andererseits aber mit tiefster Emotionalität und ungemein weichem Anschlag. Selbst in den kraftvollsten Passagen liegt keine Härte, sondern immer fließende Beweglichkeit. Das macht die beiden Klavierkonzerte Chopins, die auf dem Programm stehen, zu einem echten Konzerterlebnis.
Im Konzert Nr. 2 f-Moll, das chronologisch das erste ist und deswegen auch zuerst erklingt, berührt besonders das Larghetto: Über ein metallisch flirrendes Tremolo der Streicher beginnt Kupiec ihren rezitativischen Solopart mit einer atemberaubenden Mischung aus rhythmischer Freiheit und resoluter Präzision. Das wirkt wie eine Stegreif-Improvisation und ausgesprochen expressiv. Auch wenn Kupiec danach wieder zu ihrer glucksend ausgezierten Kantilene zurückkehrt, ist keinerlei Süßlichkeit in ihrem Spiel.
Den existenziellen Ernst, der in Chopins Musik liegt, hebt Kupiec auch im 1. Klavierkonzert e-Moll hervor. Hier tritt zunächst das Plawner Quartet mit homogener Phrasierung klangschön hervor: Die kammermusikalische Fassung hat im Vergleich zum sinfonischen Original durchaus ihre Reize. Im Rondo geht es dann mitreißend tänzerisch zu, und die Zugabe teilen sich die Musiker: Das Plawner Quartet spielt einen Satz aus Smetanas D-Moll-Quartett, und Kupiec brilliert noch einmal in Chopins Nocturne cis-Moll, das Chopin als eine Art Ideenkompendium zu seinem 2. Klavierkonzert geschrieben hat.
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