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03/02/2014
Armida Quartett bringt jugendliches Ungestüm zu den Altstadkonzerten
Johannes Rahn - schwäbische.de
WANGEN Ein Programm, das sich ausschließlich auf Werke der Romantik beschränkt, birgt das Risiko in sich, dass die emotionale Dichte und Impulsivität die Zuhörer überfordert und lähmt, statt zu beflügeln. Das Armida Quartett (Martin Funda und Johanna Staemmler, Violine, Teresa Schwamm, Viola und Peter-Philipp Staemmler, Cello) und die polnische Pianistin Ewa Kupiec sind dieses Wagnis am Sonntagabend beim Altstadtkonzert eingegangen Sie haben es mit einer von jugendlichem Ungestüm geprägten Musizierweise bestanden und dabei eine Ensemblequalität gezeigt, die so selten zu hören ist.
Das Klavierquintett in h-Moll von Philipp Scharwenka (1847-1917) setzte in dieser Hinsicht bereits den Maßstab für den Abend. Emotional aufgeladen und knisternd, atmosphärisch dicht und mit einem herrlich ins Ensemble eingebetteten Klavierpart ließ der Beginn nichts zu Wünschen übrig. Das Adagio schwankte zwischen glühender Leidenschaft und gewichtslosem, zerbrechlichem Streicherklang. Moderato und Finale gingen nahtlos ineinander über und entwickelten sich zu einer machtvollen Jagd der Stimmen, hemmungslos, exzessiv und packend dargeboten. Unverblümt und kraftstrotzend wirbelte das Ensemble in jugendlichem Ungestüm voran und schonte die Zuhörer mit keiner Note vor diesem emotionalen Ausbruch des Komponisten.
Friedrich Smetana (1824 – 1864) erzählt in seinem Streichquartett e-Moll „Aus meinem Leben“. Es muss ein sehr bewegtes Leben gewesen sein, das Stück ist mit viel Leidenschaft komponiert und wurde mit nicht weniger Leidenschaft gespielt. Brüsk, handfest und trotzdem in stetigem Fluss, das erste Allegro. Mit kräftigen Pinsel- und Bogenstrichen gezeichnet folgte eine Hommage an die volkstümliche Polka. Mit viel Humor und Spielfreude bewies das Quartett komödiantisches Talent, das diesen Satz erst richtig zum Leuchten brachte.

Von beklemmender Dichte war das Adagio. Die vier jungen Musiker erspürten den Kern eines jeden Tons, kontrollierten die Gefühle perfekt und so entspann sich ein seelenvolles Musizieren, das sich tief einprägte. Der Schlusssatz wurde von seiner eigenen Kraft angetrieben und doch schlug die scheinbar nicht zu bremsende Spielfreude in ein sanftes Verklingen um.
Anton Dvoraks Klavierquintett a-Dur erklang ebenfalls äußerst souverän. Das Klavier nahm unter den Händen von Ewa Kupiec genau den Platz ein, den der Komponist ihm zugedacht hatte und machte das Werk in seinen verschiedenen Funktionen als Soloinstrument, Begleitung und Klangverstärkung ausgesprochen rund. Glockenheller Klaviersatz, klassisch anmutende, weitgeschwungene Kantilenen, fulminante Unisonopassagen: Der erste Satz zeigte die ganze Ausdruckspalette dieser Instrumentalkombination.
Im zweiten Satz herrschte ein heimeliger Grundton vor, und der temporeiche Mittelteil fiel in einer grüblerischen Grundhaltung zusammen. Fröhlich, verspielt und von überschäumendem Temperament getragen gestalteten sich die zwei schnellen Sätze - immer wieder gebremst von Aufbegehren und zornigem Grollen. Diese Ausdruckswut, dieses Ringen zwischen Gefühl und Form gab dem Abend seinen Reichtum und seine Fülle. Die fünf Musiker gingen in diesem Ringen auf und gaben ihm Raum zur Entfaltung.
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